Akira Der Kopfgeldjaeger - Prolog - DE05
2154
Es waren nun inzwischen neun Monate vergangen und die Geburt der Hybriden stand kurz bevor.
Die Stimmung war so angespannt, man hätte die Luft mit einem Messer schneiden können.
Doch nicht alle schienen die Anspannung zu teilen, Dr. Tado zumindest schien gelassen zu sein. Dabei war er es, der hinter diesem Projekt stand. Sollte seine Idee scheitern, hätten die Wölfe endgültig gewonnen. Nicht nur die Zukunft des Krieges stand auf dem Spiel auch unsere Zukunft wäre ungewiss. Sollten wir versagen, würden wir diesen Stützpunkt verlassen müssen, dabei war er für uns inzwischen eine Art Heimat. Doch dies war eine militärische Einrichtung und wir waren Wissenschaftler, die für diesen Stützpunkt arbeiteten. Unsere Anwesenheit war mehr oder weniger geduldet. Denn mit unserem Projekt stießen wir auf wenig Gegenliebe, immerhin sahen die Hybriden aus wie der Feind, das verunsicherte viele Soldaten. Sie halfen uns zwar, erledigten Aufgaben für uns, doch sie befolgten nur Befehle, man sah ihnen eine gewisse Abneigung an. Ich gebe zu, dieses Projekt ist ungewöhnlich, aber es bietet eine Chance und im jetzigen Zustand braucht die Menschheit jede Chance, die sie bekommen kann. Wir waren nur eine Handvoll Wissenschaftler, dennoch schienen wir die letzte große Hoffnung dieses Planeten zu sein.
Ich hatte die Geburt zweier Hybriden und ihr Sterben miterlebt ich wusste das wir jetzt demnächst Zehn dieser Geschöpfte zur Welt bringen würden und mir bereitete diese Vorstellung Unbehagen. Ich packte schon geistig meine Koffer da stürmte Dr. Tado in den Raum hinein. Mit den Worten „Es ist so weit“ wussten wir die Geburt würde jetzt los gehen. Ich drückte meine Zigarette aus und zog meinen Kittel an.
Als wir das Geburtenzimmer betraten, kamen uns Schreie entgegen, es waren die zehn Leihmütter die bereits in den Wehen lagen. Wenn wir jetzt auch nur einen Hybriden verlieren, könnte es das aus sein, immerhin brauchten sie nur einen Wissenschaftler vor Ort. Es war Dr. Tados Projekt, wir waren nichts anderes als Begleiterscheinungen, die immer im Schatten des Doktors blieben. Wir halfen ihm, doch den Hauptanteil lieferte der Japaner.
Daher mussten wir den Soldaten und dem restlichen Personal zeigen, dass wir auch unseren Beitrag leisten, jetzt hieß es alles oder nichts.
Während Dr. Tado immer ziemlich entspannt wirkte, verhielt er sich bei einer Leihmutter merkwürdig. Immer, wenn er bei seinem Rundgang ihr Bett streifte, starrte er die junge Frau an.
Seine Blicke durchbohrten die vor Schmerzen schreiende Frau förmlich, selbst als er Meter von dem Bett entfernt war, ging ein fast unauffälliger und kurzer Blick hinterher. Es dauerte immer einen weiteren Moment bis er endgültig von ihr abließ. Sein Verhalten fiel nicht nur mir auf, als ich wieder Zeuge wurde, wie Dr. Tado die Frau ansah. Bemerkte ich, dass seine Hände leicht zitterten. Ich fragte mich, was an dieser Leihmutter anders war. Immerhin hatte Dr. Tado selbst die Eizellen im Labor befruchtet. Was war an dieser Frau oder besser gesagt an diesem Hybriden so besonders, dass es einen so erfahrenen Gentechniker wie Dr. Tado beunruhigte.
Immerhin konnte jeder in diesem Raum, selbst die Soldaten, ihm seine Nervosität ansehen.
Als einer der Soldaten ihn fragte, ob alles in Ordnung sei, beschwichtigte er den Soldaten auf eine sehr lässige Weise, wie er es immer tat. Er konnte den Soldat schnell abwimmeln und konzentrierte sich auf seine Arbeit.
Die Stunden vergingen und die ersten Hybriden erblickten das Licht der Welt. Sie sahen optisch genau wie ihr Vorgänger-Modell aus, er hatte an ihnen anscheinend keine Veränderungen durchgeführt. Gespannt wandten wir uns der nächsten Patientin zu, auch ihre Geburt verlief auf natürlichen Weg.
Am Ende blieb nur eine Leihmutter zurück, es war ausgerechnet die, die Dr. Tado so nervös machte.
Die Frau presste, wie ich es bei keiner anderen Frau gesehen hatte, doch der Hybride schien sich zu weigern, geboren zu werden. Etwas stimmte nicht, Dr. Tado holte ein Analyse-Gerät, das ein 3D-Modell der Frau erstellte. Wir konnten erkennen, dass sich der Kopf des Hybriden um die Nabelschnur gewickelt hatte. Eine Geburt auf natürlichem Weg war demnach nicht mehr möglich.
Dr. Tado gab die Anweisung „Bereiten Sie eine OP vor, wir müssen den Hybriden per Kaiserschnitt auf die Welt bringen“.
Während die Soldaten den Laserschneider holten, rauchte Dr. Tado genüsslich eine Marlboro. Ihm schien die Zigarette sehr gut zu tun.
Mit einem Heidenlärm polterten die Soldaten mit dem Laserschneider in das Geburtszimmer hinein.
Ich hatte schon seit Ewigkeiten keinen Laserschneider mehr gesehen, diese Geräten waren so teuer und selten, ich hätte nie geglaubt, dass wir so einen hier unten haben.
Während ich etwas nachdachte, montierten die Soldaten unter Anweisung von Dr. Tado den Laserschneider über der Frau. Diese schien sichtlich beunruhigt zu sein und fragte genervt „Und das soll sicher sein?“ Völlig taktlos antworte er „Wollen sie den Wolf noch weiter in sich haben oder nicht, wenn ich schneiden muss, dauert es zehnmal so lang“ Ohne eine Miene zu verziehen, nickte die Frau einfach. Nachdem Dr. Tado ihr ein Narkotikum verabreicht hatte, begann er, den Laser millimetergenau auszurichten.
Als er grade anfangen wollte, zu schneiden, versagte der Laser. Zwar konnte er am Display den Leitlaserschstrahl ausrichten, doch er schnitt nicht. Nach mehrmaligen Probieren stupste ich den Doktor an und sagte ihn, wir müssen wohl per Skalpell den Kaiserschnitt vornehmen. Dr. Tado stand langsam auf und packte den Laserschneider und schmiss diesen voller Wut auf den Boden.
Ich konnte die Soldaten abhalten, sich einzumischen „Nur ein kleiner Wutanfall, Männer, keine Sorge, es geht schon wieder“ schnaufte Tado.
Völlig orientierungslos fragte er einen Soldaten nach dem Skalpell, ihm schien gar nicht mehr bewusst zu sein, dass ich das Skalpell grade erst sterilisiert hatte. Ich stupste ihn vorsichtig an und hielt ihm das Skalpell vors Gesicht. „Ich habe es“ bemerkte ich und drückte es dem immer noch etwas verwirrten Japaner in die Hand. Jetzt schien er wieder einen klaren Kopf zu haben und setzte die Operation fort.
Seine Hände zitterten ebenso wie sein ganzer Körper, er wusste, wie wir alle, dass er die Operation so nicht durchführen konnte ohne den Hybriden oder die Frau zu verlieren. Sollte er eine Arterie treffen, würde die Frau vielleicht verbluten. Doch er war zu Stolz, um in diesem Moment selbst nach Hilfe zu fragen.
Ich wusste, dass Dr. Tado ein ehrenvoller Mann war und klopfte ihm auf die Schulter.
„Dr. Tado, darf ich die Operation durchführen? Ich habe diese Operation mehrfach fehlerfrei am Simulator bestanden.“, fragte ich und ohne mit mir zu sprechen, drückte er mir das Skalpell in die Hand und klopfte mir auf die Schultern.
Jetzt war ich dran, ein Frischling der noch nie so etwas an einer echten Person durchgeführt hatte, doch mir blieb keine Wahl. Ich war nach Dr. Tado der einzige mit ärztlicher Erfahrung, der diese Operation ohne Fehler durchführen konnte. Ich setzte zum ersten Schnitt an und obwohl ich an keine Götter glaube, bettete ich für mich zu gefühlt hunderten, dass diese Operation schnell vorbei sei. Nach wenigen Minuten war die Bauchdecke, sowie die Gebärmutter geöffnet. Die Schwester hob den Hybriden hervor und durchtrennte die Nabelschnurr, die sich immer noch um den Kopf des Fötus befand.
Erleichtert schnaufte ich aus, ich hatte es geschafft. „Zunähen.“ rief ich der Schwester mit erschöpfter Stimme entgegen. Eine Schwester kam zu mir und wischte mir den Schweiß aus dem Gesicht. Ich hingegen riss mir die Chirurgenmaske aus dem Gesicht und lies diese langsam zu Boden fallen.
Für einen Moment schien alles normal zu sein, die eine Schwester verschloss den Operations-Schnitt, die andere hingegen reinigte den Säugling. Einige Soldaten klopften mir auf die Schulter, ich war froh dass alles vorbei war. Geblendet von meinem Erfolg bemerkte ich nicht wie die Schwester anfing auf sich aufmerksam zu machen. Ihr Blick hatte etwassehr hoffnungsloses, erst nach einigen Sekunden verstand ich, was das Problem sein konnte. Es war zu ruhig, der Säugling schrie nicht wie all die anderen nach der Geburt. „Er Atmet nicht“ schrie die Schwester. Ich erlitt eine kleine Panikattacke und wollte grade aufspringen.
Doch bevor ich aufstehen konnte, haschte jemand blitzschnell an mir vorbei. Es war Dr. Tado der der Schwester zur Hilfe eilte.“Was stimmt damit nicht? Wieso atmet er nicht“ warf sie ihm entgegen Sie überreichte verzweifelt Dr. Tado den Hybriden. Dieser nahm den Säugling sorgsam entgegen, anschließend fing er vorsichtig an den Neugeborenen abzutasten.
Beim erstasten bemerkte er mit erschrecken das der Hybride unter einem Mekoniumaspirationssyndrom litt. Der Fötus hatte aufgrund von Stress nach Luft geschnappt und auf diese Weise das mit Mekonium verunreinigte Fruchtwasser in die Lunge einatmet.
In diesem Zustand würden die Atemwege blockiert und könnten durch eine Lungen Überblähung im schlimmsten Fall kollabieren und reißen.
Dr. Tado behielt in diesem schrecklichen Moment einen kühlen Kopf, er schlug vor, die oberen Atemwege, wie Nasenöffnung, Mundhöhle und Rachen schnellstmöglich von Hindernissen zu befreien. Die Schwestern rannten wild umher, befolgten allerdings dabei stehts die Anweisungen des Doktors. Sie saugten das mekoniumhaltige Fruchtwasser ab und der Hybrid begann zu Husten.
Als dieser Problem-Hybride das erste Mal anfing zu Atmen, konnte man die Erleichterung im ganzen Raum spüren. Selbst die Soldaten hatten anscheinend mit gefiebert. Nach dem ersten Atemzug folgte ein monströses Säuglings-Geschrei.
Es war definitiv lauter als bei den anderen, dies schien Dr. Tado anscheinend nicht zu stören, er wirkte hingegen wie ein frisch gewordener Vater, er hielt den Hybriden trotz des laufenden Geschreis stolz in seinen Händen.
Tado schien den Hybriden gar nicht mehr aus der Hand geben zu wollen. Erst als die Schwester ihn mehrmals darum bat, folgte er ihrer Bitte und übergab den Hybriden in ihre Obhut.
Sie legte den Säugling vorsichtig in den letzten Brutkasten, kurz bevor sie endgültig den Raum verließ, blickte ich zu Dr. Tado, der sich grade mit ein paar Soldaten unterhielt. Ich nutzte meine Chance und lief der Schwester hinterher, immerhin war ich neugierig, was den Doktor so nervös machte. Dieser Hybride musste anders sein, als seine Brüder, er hatte ein Geheimnis und ich wollte zumindest mal einen Blick auf dieses Exemplar werfen. Die Schwester hielt sogar extra für mich an, jetzt hatte ich die Gelegenheit, den Hybriden von nahem zu begutachten. Ich merkte schnell, dass Doktor Tado hier eine andere DNA verwendete hatte. Das Fell des Neugeboren, wenn auch nur spärlich vorhanden, hatte eine sehr unnatürliche Farbe. Eine Art Grau mit einem Touch Lila, ich würde gerne wissen was der Doktor da genau erschaffen hatte. Als ich vorsichtig gegen die Scheibe klopfte öffnete dieses Geschöpft seine Augen und starrte mich an. Dass Singarti eine andere Pupillenfarbe haben als Menschen, war mir durchaus bewusst, das es zu Mutationen kommt auch, doch dieser Hybride hatte eine Lila Iris. Selbst für einen Hybriden eine durchaus seltsame Farbe.
Ich bedankte mich bei der Schwester und verabschiedete mich, doch während die Schwester davon zog, fragte ich mich, was Dr. Tado dort im Labor erschaffen hatte.
Immerhin war es Regierungseigentum von mehreren Millionen Dollar mit dem er hier herum experimentierte. Falls dieser Hybride Ärger machen sollte, wie das erste Exemplar. So würde auch ich eine Mitschuld daran bekommen, genau wie wir alle anderen.
Ich war so skeptisch, was diesen Hybriden betraf, dass ich mir heimlich Zugang zu Dr. Tados Labor verschaffte, ich musste nur einen Soldaten schmieren, um ungehindert Nachforschungen zu betreiben. Für eine Handvoll selbstgedrehter Zigaretten taten diese Soldaten anscheinend alles.
Glück für mich das in diesen schweren Zeiten, so etwas wie eine Zigarette mit Gold aufgewogen werden konnte.
Doch ich schweife ab, denn im Labor selber konnte ich nicht viel in Erfahrung bringen, alles schien nach Plan verlaufen zu sein, es gab keine Auffälligkeiten bei irgend einen Hybriden.
Vielleicht war es nur eine einfache Mutation von der Dr. Tado wusste, es aber niemanden gesagt hatte, vielleicht war an diesem Hybriden außer der schweren Geburt nichts besonders.
Ich wusste nur eins, die Geburt der Hybriden war erst der Anfang